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Rock'n'Rollkoffer in Rostock!



Als die Spitze der Kirche wieder aufgesetzt wurde, riefen alle "Petri heil!"




Wenn man bei einer Uhr an Lothar Matthäus denken muss, ist man in der schönen Hansestadt Rostock! Den Grund könnt Ihr diesem Bewegtbild entnehmen. Aber Achtung: Spoileralarm! Nicht anklicken, falls Ihr Euch die Astronomische Uhr von St. Marien mal mit eigenen Augen anschauen wollt.




Wenn die Autokorrektur auf Aufklebern aus "Fanfaren" "Fanaten" macht ...




Die Heatmap des Gewaltmarsches durch die Hansestadt.




Wir spielten am letzten Abend noch Herings-Roulette in der Kogge...


Weiter, immer weiter! Auf zur letzten Station der Nordosttour 2018: Hansestadt Rostock. Mal sehen, ob dort so viele Hansa-Aufkleber angebabscht sind, wie im kompletten Fischland, wo wirklich jede Laterne, jeder Mülleimer und jede Ampel vollgeklebt war ... Dieses Rostock stand nicht nur wegen des formidablen Polizeirufs 110 dabei immer auf der sogenannten "Bucket List".

 

Das Hotel in Bahnhofsnähe war jedoch das absolute Antidot zum Waldhotel in Graal-Müritz: Man könne erst um 15.00 Uhr einchecken, wurde uns unfreundlich + meinungsstark bedeutet und so mussten wir unsere Rock'n'Rollkoffer unbeaufsichtigt, quasi im Flur des Hotels abstellen, um die wertvolle Zeit in der Hansestadt nicht zu verplempern. Uns zog es – nach einer kurzen StraBa-Erkundungsfahrt durch die Stadt – zum Hafen. Dort hatte Frau Feynschliff die brillante Idee, erneut eine Bootstour zu machen: Damit hatten wir ja schon sehr, sehr gute Erfahrungen in dieser Sommerfrische gemacht! Es ging nach Warnemünde – kannten wir ja schon – an unfassbar großen Trümmern vorbei, ich hatte seit Venedig vergessen, wie riesig diese Kreuzfahrtschiffe sind!! Bei einem revitalisierenden Bier und Kakao, der sehr gut war, musste ich neidlos anerkennen: Der Moderator der großen Hafenrundfahrt in Rostock ist eine wirklich unterhaltsame Rampensau!! Die Tour startete mit der Vorbeifahrt an einem richtigen "Eisenschwein, diesem ehemaligen Eisbrecher "Stephan Jantzen", es ging weiter, alte DDR-Lastkräne links liegen lassend, wir passierten die Neptun-Werft und fuhren Richtung Warnemünde. Und dann sahen wir die Giganten: Unfassbar diese schwimmenden Städte, diese Kreuzfahrtschiffe, die an den Terminals in Warnemünde anlegen. Und uns wurde bei der Stadtführung am nächsten Tag kristallklar, warum es so voll in der Stadt wurde: Wenn da so ein Schiff, das die komplette Altstadt von Venedig überragen kann, 4.000 Leute auf einmal ausspuckt, wird es eben voll in einer Stadt, die deutlich weniger Einwohner als Mönchengladbach hat. Während der gut anderthalbstündigen Fahrt auf dem Schiff kamen mir ferner zwei Gedanken:

 

Warum wird der Dorsch in der Nordsee automatisch zum Kabeljau?!!

 

Ist es noch Metaebene zu sagen: "Das Nachmachen habe ich mir von Dir abgeguckt!!"

 

Nach der Bootstour machten wir uns – dem Tipp des Reiseführer folgend – auf zur "Zur Kogge". Keine Echolalie. So lautet der korrekte Name. Weil wir dort leider am Abend keinen Platz bekamen, klugerweise aber für den Folgeabend reservierten, ging es in die Rostocker Dependance des Stralsunder "Burwitz Legendär". Dort dann der dritte Gedankenblitz des Tages:

 

"Obwohl ich die politischen Ereignisse in Sachsen nicht verfolgte – bin ich nun wirklich ein Hutburger?!!"

 

Am späten Abend noch eine Begegnung der Dritten Art mit einem alten Schweden (Mitte 70) und seiner thailändischstämmigen Frau vor unserer rezeptionslosen Absteige. Die Kurzversion: Sie wussten nicht, ob sie im richtigen Hotel waren, der zugesandte Code auf Whatsapp bestand aus Zahlen, der Rest waren thailändische Buchstaben, die ich jetzt so nicht lesen konnte, das Englisch der Dame half niemanden weiter und der "Herr" begann irgendwann, seine Frau als dumm zu beschimpfen, hielt sich ansonsten aber aus allem raus; die mehrfach durch diese Szenerie tapsenden Kegelschwestern aus Franken (oder Pflegerinnen auf Fortbildung) waren auch nicht sehr hilfreich. Nachdem ich ihnen den Code zum Öffnen des Hotelzimmers nicht vermitteln konnte und sich am anderen Ende der Mobilfunknummer eine unwirsche Person meldete, sie könne nicht helfen, mussten wir den Menschen mit der trumpesken roten USA-Kappe (!) und seine Frau wieder in die Dunkelheit verabschieden.

 

Am nächsten Tag machten wir uns als Erstes in die Kirche St. Petri Petrikirche auf und genossen den Blick über die Stadt. Dort trafen wir auch direkt das Paar aus Schweden wieder, das scheinbar nicht auf der Straße übernachten musste, was uns ein gutes Gefühl gab. Sie trug Kostüm und Hut wie in Ascot, er wieder Schlagballmütze. Danach ging es in die Marienkirche, die Astronomische Uhr weggucken und einem Gebet samt Orgelspiel beiwohnen. Die "Pointe" beim Apostelrundgang in St. Marien war recht gefällig!! Es kommt wirklich selten vor, dass ich in einem Gotteshaus an Lothar Matthäus denken muss. In der Nähe der Kirche, in der nördlichen Altstadt, ein vergitterter Brunnen. Wären wir Kreuzfahrschiff-Amis, würden wir Münzen rein schmeißen. Als Kölner müssen wir nur Liebesschlösser anbringen.

 

Zum Teil kam ich mir vor wie in Papua-Neuguinea, als ich am Vorabend über ein Einbaum-Haus (oder so etwas) las, aber dann überzeugte ich mich am nächsten Tag selbst, dass es sich um ein Haus handelt, in dessen Keller man eine wirklich schöne + rustikale Kneipe feiern könnte. Das Hausbaumhaus!! Ein einziger Baum trägt die ganze Last des kompletten Hauses. Und die "Haus-Dame" konnte uns noch ein paar spannende Infos zum Umbau und Erwerb des Hausbaumhauses geben. Nach einem revitalisierenden Bier und einem Eiskaffee in der Nähe des Brunnens der Lebensfreude, ging es dann zur "offiziellen" Stadtführung: Wir waren zu diesem Zeitpunkt ja erst vier Stunden durch die Hansestadt gelatscht. Also mussten wir jetzt ernst machen. Die ehrenamtliche Stadtbilderklärerin machte gute Miene zu meinen "Ergänzungen" ... ;-)

 

Die Astronomische Uhr in der Marienkirche – wir waren am Nachmittag noch einmal da – zeigte mir, dass wir es nicht mehr rechtzeitig zum Pfeilstorch schaffen, denn die Zoologische Ausstellung der Universität schließt um 16.00 Uhr. Und das alles am Tag der Venus ... Also schnefterten wir noch kurz ins Walter-Kempowski-Haus, das wir in 15 Minuten wegguckten und dann ging es – noch lange nicht infomüde – in das Rostocker Stadtmuseum.

 

Dort hatten wir eine sehr schöne und "aufschlussreiche" Begegnung in der 800-Jahre-Rostock-Ausstellung: Am Ende dieser bemerkenswert guten, multimedial ansprechenden und museumspädagogisch sehr, sehr gefälligen Ausstellung, gab es einen Fernseher aus Anfang der Neunziger, auf dem die Tagesschau und Bilder zu den Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen 1992 liefen. Mittsiebziger aus der Region, bewerteten die Berichte meinungsfreudig und stellten fest: "Das waren doch gar keine Rostocker! Das waren Krawalltouristen aus Dresden, Chemnitz und Hamburg. Wir Rostocker machen so etwas nicht." Gerade als ich in Interaktion mit den Senioren treten wollte, zog mich Frau Feynschliff am Ärmel und damit fort vom Ort des "Austausches" ...

 

#ostdeutschland18: Kul- und Radtour!

 

Die Wasseraktionsfläche: "Wer nicht hüpft, der glaubt an Schiller!" - Ich kann es immer noch nicht fassen, dass ich freiwillig in einem Geschäft für "Outdoor"-Bedarf & Funktionskleidung war!

 

Anna Amalia ist Mutter Weimar!" - "Wie ist der Name von Mutter Weimar? Anna Amalia! Anna Amalia!"

 

Zwischenspiel am Tag der Deutschen Einheit: "Dort Saaleck – hier die Rudelsburg!"

 

Potsblitzdam: Friedrich der Große ̶i̶̶s̶̶t̶ war Monsieur 20.000 Voltaire!" - Wann genau wurde eigentlich aus "Friedrich dem Großen" der "Alte Fritz"?

 

"Ey, hasse' mal 'ne Uckermark!" -"Frag' doch Botho Strauß, wenn Du ihn siehst!"

 

Unerkannt geisteskrank - oder die Rückkehr in Ostseeheilbäder!" - In den sechs Tagen dort fragte ich mich, ob ich nach 20 Jahren vielleicht mal die Inhalte auf http://www.ostsee-heilbaeder.de relaunche ... ;-)

Als Fazit: Das waren neun sehr, sehr intensive Stunden. Die Socken qualmten. Wir haben knapp 30 Kilometer abgerissen. Im nächsten Leben werde ich wohl auch Stadtbilderklärer in Rostock. Ich kenn' ja jetzt jede Ecke der Innenstadt. Vor dem Abendessen ersetzte ich meine Schuhe, bei denen die Sohle abging, in einem Rostocker Sportgeschäft (!). Offensichtlich kaufe ich Hallenfußballschuhe für die Strand- und Freizeitnutzung nur im Osten. Die zerrockten 2008er Samba aus Dresden wurden durch neue Produkte in Rostock ersetzt. Nur die Sohle ist nicht mehr so Siebziger wie bei den anderen Exemplaren ... Hmmh, vielleicht bringe ich sie doch noch zum Schuster - und dann habe ich zwei Paar Sportschuhe. Was mir eh niemand glauben wird. Die mittlerweile obligatorischen Halloren (aus Halle) gab es natürlich auch. Erworben im hypermodernen EDEKA der Hansestadt. Warum gibt es die fantastischen Halloren eigentlich nicht im Kalker REWE? Bautz'ner Senf und Spreewaldgurken gibt es dort ja auch. Es bleiben: Fragen über Fragen.

 

Das letzte Abendessen der Sommerfrische fand in recht hanseatischer Atmosphäre statt und es war in der Kogge einfach unfassbar gut! Das Gericht "Herings-Roulette" bestand aus vier verschiedenen Heringen, u.a. in Roter Bete und Lehment Rostocker Doppel-Kümmel eingelegt, samt selbstgemachter Sauce und Bratkartoffeln. Der Gruß aus den Siebziger Jahren - die Orangenscheibe - rundete das Gesamterlebnis in der Rostocker Varianz des kölschen Brauhauses ab. Nach dem Essen stellte sich die existentielle Frage: "WAT TRINK WI NU?" "MANN UN FRU!" Ich muss an dieser Stelle eine dringende Besuchsempfehlung aussprechen! Aber ich rate mit Nachdruck zur Reservierung. Und einem Störtebeker Baltik-Lager als Begleitung. Vielleicht zwei. Dieses Getränk zieht Kreise und wirkt nach: gibt's auch in Köln-Mülheim.

 

Am Tag der Abreise – Symbolbild – hatten wir irgendwie kein gutes Gefühl. Und schnell wurde klar warum: Beim geplanten Rückflug stellte ich fest, dass die Quote angetretener und annulierter Flüge bei VLM noch mieser ist als bei der Minderleistertruppe von Eurowings! Denn: 100 Prozent all meiner Flüge mit VLM wurden annuliert und das Geld ist auch futsch, denn diese Kirmesairline hat direkt Konkurs angemeldet.

 

Was also tun, wenn der Flug annulliert wird, man mit dem proppenvollen Intercity über Hamburg-Harburg sieben Stunden zurück nach Köln fährt und der letzte Urlaubstag damit eine gewisse Modifikation erfährt? Na, wir lasssen uns von den Flamen doch nicht die Petersilie verhageln!! Dann gibt es ein Rotkäppchen für den Kreislauf und gegen das Fluglinien-Tourette!!

 

So, nach nur sieben Ausgaben über die Tour durch Nordostdeutschland seid Ihr endlich "erlöst"! Versichert: Euer Schomberg.