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Köln ist nicht Marburg



Neulich im Büro. Leicht hat man es wirklich nicht. Aber es geht um die Bereitschaft zum tapferen TROTZDEM. Wie immer.


"Mich interessiert nur eins: Ich - und durch mich gefiltert der Lauf der Welt." (Harald Schmidt in: mobil. Das Magazin der Deutschen Bahn, 100. Ausgabe, 04/2009, S. 9)

 

Ich habe es nicht leicht.

 

Innerkölsch werde ich stets wegen Kost & Logis auf der - vermeintlich - falschen Rheinseite gehänselt. Man verabredet sich auf eine Spritztour an den Niederrhein und die Koordinierungs-e-mail endet mit den Worten: "Kannst vorher gerne auf 'n echten West-Bohnenkaffee vorbeikommen. Soll ich Dir wieder so ein gesundes Frühstück wie vor dem Derby machen? Mit viel Obst und Gemüse, damit wir aktiv was gegen die typischen Kalker Volkskrankheiten Skorbut und Beriberi tun? Helfen kann so einfach sein."

 

Aus Veedelpatriotismus musste ich das Angebot ablehnen. Auch fußballerisch ist Köln kein Zuckerschlecken (noch nicht mal für Kölsche selbst, hihi), vor allem, wenn man aus Gründen der Geburt und Sozialisiation mit BMG sympathisiert. Da bekommt man keine Zigarre verpasst, sondern von 'nem Kölner Corpsbruder schon mal 'ne Kiste Wein ins Düsseldorfer (!) Büro geschickt. Unser Officemanager stellt mir 'ne Kiste auf den Konferenztisch, "Für dich!", ich bedanke mich artig, gucke auf den großen Karton, dort steht etwas vom "FC-Köln-Fanshop" geschrieben, spreche von einer grotesken Verwechslung und der Kollege sagt die schmerzenden Worte: "Nein, das ist kein Versehen, das ist ganz klar an Dich addressiert!" Ich reiße den Karton auf und drinnen sind 6 Flaschen 1.FC-Köln-Wein, 3 rote, 3 weiße.

 

Ohne auf den Lieferzettel zu schauen, ahne ich, wer sich einen diskutablen Spaß so viel kosten lässt und schreibe Feter Paust umgehend an. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: "Hey, wenn Du Dich beschwerst von Kölnfans vor dem Derby mit Flaschen beworfen zu werden, dann wollte ich Dir nur mal zeigen, dass wir Kölner das auch stilvoller machen können. Ausserdem solltest selbst Du als eingefleischter Gladbacher mal die Chance haben, Dich am Eff Zeh zu berauschen... :-)" Jaja: Man hat es nicht leicht.

 

Bei Suevia bekommt man gerne mal einen Akkuschrauber auf den Kneipstuhl gelegt, wenn man mit Blauer Mütze dort auftaucht…. und bei Silingia habe ich gelernt, das Schwabenmarathonconvente nur ein Kindergeburtstag sind, wenn man in Lindenthal mal wirklich was zu erörtern hat. Man hat es nicht leicht, Köln ist nicht Marburg. Und umgekehrt.

 

Aber dann gibt es die Momente, in denen man sich freut, in Köln wohnen zu dürfen. Nicht das Erlebnis in der U-Bahn, Vierersitz, Richtung Neumarkt. Mir gegenüber: Ein Leser, der Unterstreichungen in einem gebundenen ARZTROMAN ("Die Rückkehr des Dr. Beutel") vornimmt - nein, die Welt überrascht immer mal wieder. Auf geheimen Pfaden und aus ebenso diskreten Quellen kam ich zu ebenso geheimem Wissen: Ich gelang zur Kenntnis, wie Reden für Verwaltungsleiter in Köln zu verfassen sind. Dieses Manual läßt sich auf acht Stichpunkte reduzieren.

 

Dann nehme ich diese 8 Prägnanzien und da mache ich 'ne Kolumne, Kommersrede, kurze Dankesrede draus. So wie Paule Celan - nur in tongue-in-cheek! Wie könnte eine solche Rede (Kneipe, Stadtrat, Poesialbum) aussehen?

 

Das kölsche Universum im gesprochenen Wort:

 

 

• Alternativen ausmalen.

• Appelle ausrufen.

• Forderungen stellen.

• Versöhnen.

• Anekdoten.

• Ein Blick in die Zukunft.

• Eine rhetorische Frage.

• Ein passendes Zitat.

 

 

 

 

Ich versuche mich mal in der Anwendung:

 

"Werte Corona, ohne die Kranhäuser am Hafen wären wir Leverkusen. Wir sind Köln - auch Sie sind Köln! Wir brauchen also vier weitere davon. Und entschädigen die Mieter und Anwohner für den Baulärm durch 'ne Jahreskarte der KVB. Auf der Fahrt dahin ist Schrammas Fritz auf einem Klecks Ketchup ausgerutscht - da hat der persönliche Referent sehr geschmunzelt. Und mit diesen vier Kranhäusern werden wir junge kreative Menschen in die Stadt holen und 2020 mehr Einwohner als Hamburg haben - das ist auch wichtig für den FC! Wollen Sie das etwa nicht? Wie schon die beiden kölschen Charakterköpfe Tünnes und Scheel sagten: 'Man kennt süsch - man hülft süsch!'"

 

Und ferner heißt es in dem Ratgeber: Vermeiden sollte man Floskeln wie: 'Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit' oder 'Ich freue mich, dass Sie so zahlreich erschienen sind'. Da simmer dabei, das is' prima, ich ende mit den Worten:

 

"Alaaf, Ihnen viele bunte Eier & jetzt alles austrinken! Ihr Wolfgang Overath."

 

Danach weint das Publikum vor Glück und Begeisterung! Und ich bekomme den Ehrenschnorres, 1. Klasse für Imis verliehen. Dann sind es aber Tränen der Freude. Harter Schnitt: Am Mittwochabend hat Udo Lattek geweint. Er hat bei Börnenschorf nicht geweint. Er hat bei Köln nicht geweint. Er hat sogar bei Dortmund nicht geweint. Aber gestern hat er geweint: Als der Jupp vergessen hat, neue Bömbche' fürs Pittermänchen "Em Joldene Kappes" zu besorgen. Da hat er sehr geweint.

 

Auch er hat es nicht leicht. Udo Lattek darf nie wieder weinen. Und, noch eine unbequeme Wahrheit: Pittermännchen benötigen keine CO2-Patronen!

 

Euch ein paar geruhsame Tage und FROHE OSTERN, Euer Schomberg.