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Marburg 1995/96: Rolf – Ein deutsches Schicksal!



 

Während ich an meinem Text für den 14. Kalker Kaffee bastele, fielen mir ein paar Aufzeichnungen in die Hände, die ich damals an der Alma Mater Dolorosa verfertigte. Und da häufig der konkrete "Marburg-Bezug" auf "Schombergs Welt" fehlt, muss ich dem einfach mal entgegen wirken. Denn das damalige Erlebnis, das sich über 3 Monate zog und mich bewegte, mal alte, vergilbte Flugblätter zu studieren, war nicht gerade eine Sternstunde der Menschheit, zeigte mir aber, dass ich am behüteten Niederrhein in einer Atmosphäre der Toleranz und Konzilianz groß geworden war...

 

 

 

Rolf ist weg. Rolf wurde vertrieben, vergrault und widmet seine ganzen Ressourcen nun der Erwerbslosenbewegung. Er (grauer Zopf, Fahrradhelm, Zehndioptrienbrille, strenge Schnapsfahne) wurde entfernt. Nach zehn Semestern als Gasthörer an der Philipps-Universität endet ein weiteres Kapitel libertärer Marburger Hochschulgeschichte. Gut, dass das Wolle Abendroth nicht mehr erleben musste.

 

Rolf wurde ein Opfer des Gutmenschen-Mobbings unter der Fahne der gendering correctness. Rolf hatte beim Blockseminar Reinhard Kühnls am Edersee sexuell belästigt. Und zwar das StuPa-Mitglied Stephanié Victim. Nomen est omen. Er hatte zu lange und intensiv gestarrt. Die schreckliche Tat geschah im Sommersemster 1996. Oder 1995? Auf jeden Fall kurz vor Semsterferientoreschluß. Nachdem ein Plenum tagte, wurde Rolf in den Zug gesetzt und entfernt. Via Autostop von Korbach schlug er sich nach Marburg durch. Dann ist es halt so. "Männer sind Schweine", wie schon die Ärzte sangen. Insbesondere dann, wenn sie habituell und oifak euphuck euphagtorisch olfagtorisch verschwitzten, ungepflegten Bauarbeitern nahekommen. In der letzten Sitzung vor den Ferien kommentierten dies Betroffene und Aufgeschreckte - ein Standpunktpapierwechsel à la bonne heure folgte - unterschrieben von „einigen Frauen und einigen Männern“. Dann war dreimonatige Ruhe und Pause von der Alma Mater Philippina angesagt - was insbesondere in der Phil.Fak sehr wohltuend sein kann! Und dann, in der ersten Sitzung nach den Sommerferien sitzen Rolf und Stephanié im gleichen Seminar. Es wurde allumfassend „diskutiert“.

 

Als Fußballkonservativer gab ich die Betrachtung dieser Inquisition mitteilungsstark zum Besten, und regte an, eine andere Verkehrssprache für den Diskurs zu verwenden. Unverständnis. Auf meinen Einwurf, man / frau / Lesbe solle die Unterhaltung doch besser auf spanisch oder portugiesisch fortsetzen, erntete ich nur Kopfschütteln. Schade. Eine Frau - die auch noch Victim heißt - und Präsidentin des Stupa ist, fühlt sich vom anwesenden, traurigen Rolf bedroht. Sie weint fast, sagt, Rolf habe sie im montäglichen Seminar wieder mit den Augen ausgezogen und sie könne mit dieser Bedrohung im Seminar nicht leben. Reinhard Kühnl bleibt gelassener Gutmensch [Anmerkung HS: Das war damals beileibe kein Schimpfwort und vor Fischer und Schröder gab es noch eine Linke mit Herzensbildung.], obwohl es sichtlich in ihm brodelt:

 

„Ja, es kann vorkommen, daß Rolf einmal hier in die Richtung schaut - ich bin schließlich Leiter des Seminars und dann blickt er auch einmal hierhin" oder "Dann müsst ihr das Seminar in einem eher autonomen Rahmen gestalten".

 

Ich hätte es als Fußballkonservativer wohl so formuliert:

 

"Wenn ihr weiter 'rummarodiert, könnt ihr euch einfach aus dem Hauptseminar verp... verrollen!"

 

Im weiteren Verlauf der Diskussion konnte ich nicht an mich halten und nannte den Vorgang - bewusst deeskalierend - einen "stalinistischen Schauprozeß"! Diese intellektuelle Handgranate zog. Eklatant scharf. Und brachte mir die Erwähnung in einem Meinungsbildungs-Flugi als betont "bürgerlicher Kommilitone" ein. Vivat academia! Ich habe Angst, denn ich habe mich - kaffeetrinkend mit ihm in der Pause zusammensitzend - vermutlich solidarisiert. Auch Kühnl bekam wegen „zynischem Objektivismus“ sein Fett weg und die Revolution frisst ihre Kinder... Diese Aktivisten wider die Unterdrückung der Frau schauen künstlerische Filme, in denen die Protagonistin stundenlang aus dem Fenster schaut, Rotwein trinkt, und nach Stunden seufzt, „Jean-Paul liebt mich nicht.“ Irgendeiner überfährt einen Hund, Fin, Abspann.

 

Sie fühlen sich dabei gut und gesund!

 

 

 

 

 

... und ich finde es nach 15 Jahren immer noch "schwierig"... Grüsse, Euer Schomberg.