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Was tun mit einem Korb voller Ahler Worschdt?! (Bürgerliche Werte & Sozialromantik)



Scheinbar kann sich nicht jeder an diesem schönen Bild erfreuen, wie sonst sind solch groteske Reaktionen erklärbar? "Aha, Hundekot an Zellophan mit Schleife, Künstlergruppe Suevia 1878 in Zusammenarbeit mit dem weltberühmten Foodartisten Iko Schaumbjörg. Ständiges Exponat des Museum of Modern Art, New York, Kanon Klassische Moderne."




ZAG: "Nordhessen: Wo Kinder sich noch schlagen dürfen und auf die Fr***e fallen, ohne daß der Rettungshubschrauber und der Anwalt kommen. Und alle, alle essen sie Fleisch. Am liebsten roh." Diesen Landstrich der Behütung gilt es zu erhalten!




... wurstus fugit...


"... ich wollte zwei in meinem Werk stets gegenwärtige Elemente hervorheben, von denen ich glaube, daß sie in jeder Handlung des Menschen enthalten sein sollten: sowohl das Feierliche der Selbstbestimmung des eigenen Lebens und der eigenen Gesten als auch die Bescheidenheit unserer Handlungen und unserer Arbeit in jedem Augenblick." (Joseph Beuys, 1985)

 

Die Corpsbrüder waren im Januar diesen Jahres sehr, sehr großzügig und hatten ein Weidenkörbchen voller Ahler Worschdt dabei. Es waren zwischen 16 und 18 Stück. Doch was tun mit so vielen großartigen hessischen Spezialitäten? Das ist nicht das einzige Problem - es fängt schon an mit der Schreibweise. Heißt es "Alte Wurst"? "Ahle Worsch'"? "Ahle Worscht" oder etwa "Ahle Worschdt"? Das sind die letzten existententiellen Fragen. Ich habe mich jetzt einfach für Letzeres entschieden: Ahle Worschdt. Man kann so herrliche Dinge mit diesem großartigen Naturprodukt tun. Einfach aufgeschnitten als leichter Snack, die letzte Grenze wäre wohl, es mal mit Ahle-Worschdt-Sushi zu probieren. Und wenn sie ganz, ganz, ganz alt ist & sich das Fett zu dicken Tropfen in der Beuge der Wurst sammelt, ja dann kann sie immer noch eine formidable Einlage für die Erbsensuppe sein! Erbsensuppe, Soulfood: Der Winter rückt näher, bald erstarrt alles unter einem Panzer aus Eis.

 

Hach, Ahle Worschdt und Nordhessen. Dort gehen die Uhren noch anners. Oder wie es das ZAG formulierte - und ich musste fast weinen vor Rührung: "Nordhessen: Wo Kinder sich noch schlagen dürfen und auf die Fr***e fallen, ohne daß der Rettungshubschrauber und der Anwalt kommen. Und alle, alle essen sie Fleisch. Am liebsten roh."

 

Schön. Wie meine Kindheit. Die Abwesenheit von Berlin-Mitte mit den Veganer-Hubschraubereltern. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.

 

Für die einen ist dieses göttliche Produkte "eine unüberwindbare kulturelle Barriere", und die "Affinität für diese komischen Kringelwürste (Woschd?) kann ich [...] nicht teilen." Man muss jetzt nicht so weit gehen wie das ZAG am 18.01.2010 und ausrufen "Wer die Ahle Worscht beleidigt, der beleidigt Deutschland!". Es geht aber schon in diese Richtung. Es gibt sie noch, die prominenten Wurstfreunde, ernstmeinende Ahle-Worschdt-Bekenner wie Hubertus Meyer-Burckhardt, der 2009, in der 500. Sendung von "Zimmer frei" eine Ahle Worschdt verzehrte. Und es ist immer eine Zeitreise, Marburg, 2008. Oberstadtaufzug. Schnell zum Markt, eine Ahle Worschdt kaufen. Man lief an einem DKP-Stand an der Marktgasse vorbei. Eine Zeitreise in jeder Hinsicht. Dann zum Stand der Landfleischerei Peter Debus: "Ahle rore Worschdt, bitte". "Wie sollse' sein?" "So halbalt" "'Halbalt', haha, das ist gut!" "Wie Ihre Wurst!" Dialoge, die das Leben in Mittelhessen schreibt. Die Kosten: 11.39 Euro. Und jeder Cent lohnt sich. Dennoch: Mir ist schleierhaft, wie ich mit glatten Herrenhalbschuhen auf diesem Kopfsteinpflaster in Marburg je laufen konnte.

 

Und heute?

 

Sie essen Balla-Balla-Konfekt zum Bier und ihr sehnlichster Wunsch ist eine Killerapplikation, mit der sie alle Social Media Plattformen gleichzeitig im Blick haben. Die Generation Web 2.0 ist in den Führungsetagen der DAX-Konzerne angekommen. Lesen Sie alles in der neuen Spiegel-Titelgeschichte April 2022. Jetzt am Kiosk. [TT]

 

 

Die Gefahr lauert immer und überall. Darauf - auf diesen Ausblick - eine Ahle Worschdt! Als und als fott. Lebensbundprinzip bedeutet übrigens, Corpsbrüder mittags aus dem Bett zu klingeln und zu bitten, weil der ICE Otto Leverkus nach Marburg Verspätung hat, kurz vor Toreschluss zum Markt zu wanken, mit dem Auftrag, mir "Ahle rore Worschdt" zu besorgen. Und sie tun das dann auch. Wunderbar. Die Kunde von der Ahlen Worschdt, diesem wunderbaren Stück Lebensart, diesem hessischen Slow-Food, wird auch an die nächste Generation weitergegeben. Deshalb ende ich mit diesem ZAG-Zitat: "Mein Patenkind [...] besitzt eine kleine verschließbare Plastikdose, in der sie Ahle-Worschdt-Chips aufbewahrt, die sie bei Bedarf verzehrt. Ich liebe sie sehr dafür."

 

 

Immer noch fest an das Sensationsdouble 2012 glaubend, grüßt Euer Wurstfreund Schomberg.